Schule im Reich der Tiere

santiago
In dem vorangegangenen Beitrag über die Links- und Rechtshänder fragte Helen zum Schluss nach der Zeit, in der das Mit-Links-Schreiben verboten war. Ich glaube, ich gehöre zu der letzten Generation von Schülern, in der das so war.

Aber die Frage nach dem, was Schule den Kindern – und damit den späteren Erwachsenen – so ‚antun’ kann, brachte mich auf die Idee, diese kleine Geschichte Euch nahe zu bringen. Viele von uns können sich in der Rolle der kleinen Entchen oder der Adlerjungen wieder finden; ich mich auch.

Auch wenn die meisten hier im Forum keine schulpflichtigen Kinder mehr haben und vielleicht – genau wie ich – froh sind, dass die Schulzeit endlich vorbei ist: Wenn wir nichts ändern, wer soll es dann tun? Aber genug der Predigten, hier ist die Geschichte – nachzulesen auf…

www.hamsterkiste.de



Es begab sich, dass der König der Tiere unzufrieden war mit den Schulen des Landes. Er hatte gehört, in anderen Ländern sei's besser. Er befahl seinen hohen Beamten, dies schleunigst und gründlich zu ändern. Bald gab es "Bildungsstandards" und Pläne, den man Kerncurricula nannte. Die Schulen waren gehalten, alle Kinder im Lande zu lehren, was gemeinhin als wichtigstes galt: Wettrennen, Klettern, Schwimmen und Fliegen. Ob und wie sie dies lernten, sei Sache der Schulen, nur über die "Kompetenzen" müssten am Ende alle verfügen. Dies ließ man als "eigenverantwortliche Schule" verkünden und Inspektoren sollten Qualität überprüfen.

Doch dann zeigte sich dies:

Die Enten konnten hervorragend schwimmen. Im Fliegen allerdings brachten sie es nur auf ausreichende Leistungen. Im Wettrennen waren sie hoffnungslos überfordert. Die meisten von ihnen mussten daher mit dem Schwimmen aufhören und in teuren Nachhilfestunden Wettrennen trainieren. Das führte dazu, dass ihre Schwimmfüße schon nach kurzer Zeit vor Anstrengung schmerzten und sie nur noch mäßig schwammen. Mit diesem mäßigen Können waren die Inspektoren durchaus zufrieden - die Enten jedoch hätten es gern anders gehabt.

Die Kaninchen konnten gut rennen und sich in Höhlen verstecken. Doch führte man sie ins Schwimmbad, wurde ihr Fell noch grauer als grau. Lange verweilten sie in den Umkleidekabinen, paddelten hilflose Runden mit triefnassen Fellen und vermieden das Tauchen. Auch Ergotherapie half ihnen wenig. Bei einem Vergleich aller Schulen versagten sie kläglich. Da beschlossen die Beamten, ihre Leistungen nicht gar so streng zu bewerten. Und als dies nicht reichte, wurde ihre Note noch einmal verbessert. So wurde aus mancher "5" eine "3", alle waren zufrieden und fühlten sich als gute Schwimmer.* Die Inspektoren lobten die Schulen ob ihrer Erfolge.

Die Eichhörnchen waren hervorragend im Klettern. Sogar beim Fliegen von Ast zu Ast leisteten sie Beachtliches. Als sie sich jedoch in der Kompetenz "Abheben vom Boden" üben sollten, reagierten sie völlig frustriert. Die Mädchen, die sich mehr Mühe gaben als die zappeligen Jungen, klagten bald über heftigen Muskelkater. Darunter litten auch ihre Noten im Klettern und Laufen. Als Ausgleich wurde für sie ein "Girls Day" erfunden, damit sie im späteren Leben nicht benachteiligt seien. Dies fanden die Inspektoren beispielhaft.

Es gab nur wenige Adler, aber sie machten Sorgen. Die Eltern des einen lebten getrennt und die allein erziehende Mutter des anderen verdiente den Unterhalt mühsam mit Flügen zum Harz. Viele waren so dick, dass sie kaum noch die Flügel erhoben. Sie wurden süchtig nach billigen Filmen und grausigen Spielen. Ihre Noten waren stets miserabel, ihr Verhalten entsprach den Erwartungen nicht. Immerzu versuchten sie, sich in die Luft zu erheben und wurden nur mit Mühen und Strafen daran gehindert. Als sie schließlich einen Baumstamm hinaufklettern sollten statt auf die Spitze des Baumes zu fliegen, machten einige allerlei Blödsinn. Einer weigerte sich und wurde zum Psychologen geschickt. Als dieser keinen rechten Rat wusste, fand sich ein Arzt, der Pillen gegen das grassierende "ADHS" verschrieb.

Die besten Schüler waren die Aale. Sie konnten sehr gut schwimmen, sich über feuchte Wiesen schlängeln, sie kletterten flugs die Fischtreppen hoch und schnellten dabei sogar durch die Luft. Vor allem: Sie verhielten sich still in der Schule, träumten von früher Kindheit im Meer, taten dabei interessiert und im Mündlichen und in der Sauberkeit ihrer Hefte übertrafen sie alle. Sie wechselten bald zu den am meisten geschätzten Schulen des Landes, die man Gymnasien nannte.

Denn alle Kinder wurden, kaum hatten sie sich an Schule gewöhnt, in verschiedene Gruppen sortiert. Das gab es in keinem anderen Land, doch man sagte, dies werde Begabungen besser gerecht. Und so landeten Enten, Eichhörnchen und auch die Kaninchen in Schulen, die man Real-, die Adler hingegen in solchen, die man Hauptschulen nannte. Dort trafen sie Kraniche und Störche, die aus anderen Ländern stammten und Sprache und Gebräuche im Lande nicht zureichend kannten. Einige landeten gar in besonderen Schulen, denn dass Adler nicht klettern, war als Problem des Förderns und Forderns sicher erkannt.

Nicht alle Eltern akzeptierten das Votum der Schulen. Wohl wissend, dass der König und seine Minister nichts mehr respektierten als den Willen von Wählern, gaben sie ihre Kinder einfach in Schulen, die sie glaubten, sich schuldig zu sein. Mit Begabung hatte dies oft wenig zu tun, wurde jedoch toleriert und immer mehr üblich.

Manchmal wurden Ranglisten erstellt, so wichtig wie die Zahl der Medaillen bei olympischen Spielen. Wenn die Kinder des Landes dabei versagten, dann gab man vielfach den "faulen Säcken" die Schuld. So wurden die Lehrer bisweilen genannt, die man gern auch in Internetforen verhöhnte.

Der Kaiser im fernen Berlin gab Geld für ganztägige Schulen. Er erklärte die Bildung wie die Betreuung zu wichtigen Zielen des Staates. Man baute dringend benötigte Cafeterias, über Plätze in Krippen wurde heiß diskutiert, denn die Mütter gebaren nur wenige Kinder.

Doch nicht alle fanden ersprießlich, was Kaiser und König und ihre Beamten ersannen. Den Kindern der Füchse und Schlangen blieben Schulen wie diese erspart. Ihre Eltern gaben sie einem Dachs in die Lehre. Der hielt wenig von Standards, ließ die Kinder gewähren, ermutigte und regte sie an, forderte viel und mochte doch keinen sortieren. Man sagte, er liebe die Kinder.


lg
santiago
Saturneule
wir sollten nach den Dachsen suchen für unsere Kinder .
santiago
genau, Saturneule, der Druck auf die Bildungsverantwortlichen wachst. Zur Zeit wird jede Woche eine neue private Grundschule gegründet. Die Unzufriedenheit der Eltern wächst dramatisch.

Es gibt mittlerweile auch Schulen, die sich pensionierte Handwerker engagieren, um den Kindern angewandte Mathematk, Physik, Chemie, Biologie u.d.g.m. nahe zu bringen. Da ist die reifere Generation wirklich schon wieder gefragt.

lg
santago
Giselle
Und all die Kinder gingen in die Schule des Dachses.
Die Adler perfektionierten ihr Fliegen wuchsen über sich hinaus und drehten ganz lustige Kreise in der Luft.
Die Frösche konnten bald viel weiter denn jeh springen, denn sie durften tag und nacht nur an dem trainieren, was ihnen gefiel.
Und der Dachs liebte die Kinder, es war ja auch ganz leicht sie zu lieben, er musste nur beobachten, was sie schon konnten und sie anregen zu tun, wozu sie ohnehin Lust hatten.
Und so flogen die Adler mit den Adlern, die Fische tauchten mit den Fischen und die munteren Äffchen schwangen sich spielerisch leicht von Ast zu Ast mit den anderen Freunden.
Der Dachs strich sich über seinen fetten Bauch und wars zufrieden.
Und die Welt stand still...
Eines Tages brach jedoch eine Katasstrophe in dieser Welt aus:
Die Frösche hatten mit den Bibern Dämme gebaut, ihr Bereich war lustiger geworden, aber wo sollten nur die Eichhörnchen Bäume für ihre Nester finden?
Die Adler fanden ihre Nahrung Eichhörnchen nicht mehr, ihre Kinder verhungerten noch im Nest.
Und der fette Dachs? Seine Kinder standen nun fragend vor ihm!
Der Adler sagte: "Ich kann nur fliegen, ich verstehe den Frosch nicht, er soll mir geben, was ich brauche! Ich habe auch keine Lust mich mit dem Leben des Frosches zu befassen, es ist nicht meins!"
Hinter dem stolzen Adler hörte man ein kreischendes, unangenehmes Quieken und da kam sie, die dreckige Ratte unter einem Stein hervorgekrochen:
"Nun hab ihr ein Problem, das ihr gemeinsam lösen müsst. Da aber der Adler nicht weiß, was des Frosches ist, kennt er auch nicht den Teil des Problems, das der Frosch lösen kann. Und der Frosch kennt das Leben des Adlers nicht. Und es geht weiter! Der Adler spricht die Sprache des Frosches nicht und umgekehrt.
Nur ich, die dreckige Ratte, ich spreche alle Sprachen. Ich kenne das Leben des Adlers, des Frosches, des Bibers und der Schlangen, sogar das gute Leben des Dachses.
Ich kann noch nichtmal etwas besonders gut, aber ich bin mager, weil ich hab kämpfen müssen, gegen den Adler, der so viel besser fliegen kann und gegen den Biber, der so viel besser schwimmt. Doch nun weiß ich, wie man schwimmt und (lach) ein bisschen, wie man fliegt.
Ich kann euch helfen, aber ich brauche den Frosch, der weiß, wie man fliegt und den Adler, der weiß, wie man kriecht.
Und wenn ich den nicht finde, dann werd ich euch alle beherrschen, die kleine dreckige Ratte, die nichts richtig gut kann, aber die Schaltstellen kennt...."
Viele Grüße Giselle
Helen
Kinder zu haben ist das Schönste, das einem in diesem Leben widerfahren kann! Kinder sind über alle Sorgen hinaus eine unglaubliche Bereicherung unseres Lebens. Die Erziehung von Kindern ist aber auch mit der größten denkbaren Verantwortung verbunden. Diese Verantwortung äußerst sich vor allem in Liebe und Zuwendung. Kinder müssen Geborgenheit erfahren, wenn ihr Leben gelingen soll.
Das wäre der private Bereich und unser Bildungssystem ist so mangelhaft, dass keine optimale Förderung jedes Schülers gewährleistet ist?! Sagen wir mal, es ist strk verbesserungswürdig.

Bin ich froh, dass meine Kinder und ich die Schule hnter uns haben!
nachdenklich Hm, und nun ist mein Enkel dran, dem es einmal gut gehen soll...
Giselle
Ja, alles richtig, mit der Geborgenheit , der Liebe, alles ok.
Liebe bedeutet aber auch "nein" sagen, "nein", du kannst nicht spielen gehen, du hast deine Vokabeln nicht gelernt!
"nein", das ist keine sorgfältige Arbeit, das ist eine Sauerei, das machst du nochmal.
"nein", das ist nicht der Lehrer schuld, das ist dein Problem!
Meine Kinder haben eine super Begabung für Sprachen, doch sie haben sie immer einen Dreck interessiert. Vokabeln lernen war doof, Grammatik sowieso, man quasselte doch auch so sehr nett und alle Klassenarbeiten waren doch mindestens befriedigend, weil die Interpretationen stimmten. Der mangelhafte Fehlerquotient...shit happens!
Man hat mich Straßen weiter brüllen gehört!!!!!
Und meine Kinder auch: "Ob mir eine drei nicht genüge???"
"wenn du dafür deinen Hintern keinen Zentimeter von der Couch bewegst: NEIN!!!"
" Od die eins in Physik kein Ausgleich sei?"
" Das Talent hast du geerbt, dafür kannst du nichts: NEIN!"
Unser Schulsystem hat viele Mängel, zugegeben.
Aber es ist nicht wirklich schlecht. Fast alle unsere Schüler sprechen leidlich englisch, sie sind orthographisch auch nicht schlecht.
Fragt doch mal Franzosen oder Engländer nach Kenntnissen in Fremdsprachen!
Fragt sie mal nach Kenntnissen in deutscher Geschichte! Oder gar Amerikaner!
Geht ein Schüler in der 11 ein Jahr ins Ausland , hat er in der Regel gute Englisch Kenntnisse, wenn er wieder kommt, aber Naturwissenschaft und Mathe kann man schlicht vergessen.
Liebe ist fordern, Grenzen setzen und auch ganz viel "nein" sagen.
Das tut manchmal weh. Kuschelpädagogik ist viel einfacher.
Giselle
Helen
Giselle, da sagst du was! Die ersten vier Zeilen werden von meiner Tochter beherzigt. Es nutzt nichts. Sie ist verzweifelt und wird als nächste, zuletzt gewählte Maßnahme einen spezialisierten Kinderarzt.
Der 8jährige ist hoffnungslos unkonzentriert. Er hängt lustlos bis ärgerlich über seinen Hausaufgben, die Muter unterstützt, lässt wiederholen, einmal richtig, zweimal falsch, obwohl er es weiß. Heute weiß er, wie etwas geschrieben wird, morgen schreibt er wieder alles falsch. Er lässt sich von jeder Arbeit sofort ablenken und findet Schule Sch... Er liest auch kaum noch, das, was er liest, kann er gut, fast wörtlich wiedergeben. Die letzte Mathearbeit war 4, sie hätte besser sein müssen, da er die Aufgaben Zuhause lösen konnte.
Er merkt sich keine Termine, die die Lehrerin an die Tafel schreibt, schreibt sie auch nicht auf. Durch Zufall hört die Mutter von einem Freund, dass am nächsten Tag etwas vorbereitet sein musste.
Schreibt er mal ne gute Note, ist er happy und stolz, es ist ihm also nicht gleichgültig.
Der familiäre/soziale Hintergrund ist gut. aber das heißt nichts. Es kommt auf das Verhalten der Eltern an. Als er uns im letzten Jahr für 1 Woche besuchte, fiel uns auf, dass bei ihm alles mit Wissen verbunden ist. Da er sich sehr für Tiere interessiert, können wir mit unserm Wissen nicht mithalten. Im Gegensatz zu den Eltern, die sein Wissen unterstützen, reagieren wir weniger darauf. Meinem Freund fiel auf, dass das erste, was seine Mutter sagte, als sie ihn wiedersah war, was sie an der Uni unter dem Mikroskop beobachtet hat. Vielleicht sollte man die Frage nach dem Erlebten als erste Frage stellen und später die andere.
Naja, mal sehen, was wird.
Saturneule
Helen, was du geschildert hast ist doch symptomatisch für unsere Schulen. Das ganze System ist doch krank bis ins Mark. Wir müssen wegkommen von der Massenabfertigung in viel zu großen Klassen.
Es gibt schon einige gut funktionierende Modelle wo die Kinder wieder gerne in die Schule gehen und Spaß haben am lernen. Leider haben wir ein paar Minister die jede kleinste Änderung strikt ablehnen.
Die andere Seite sind die Eltern . Es gibt die Ehrgeizigen die ihre Kinder ständig antreiben und fordern und gelegentlich auch übers Ziel hinausschießen. Auf der anderen Seite die gleichgültigen die sich um ihre Kinder überhaupt nicht kümmern und ohne Frühstück aus dem Haus gehen lassen.
Kinder sind von Natur aus Neugierig und das ist genau die Motivation die sie antreibt. Eltern und Lehrer müssen diese Neugier spielerisch nutzen , dann macht das lernen auch Spaß. Nur die starren Regeln und Vorschriften verhindern sich auf die Kinder individuell einzustellen .
Helen
Kinder sind von Natur aus Neugierig und das ist genau die Motivation die sie antreibt. Eltern und Lehrer müssen diese Neugier spielerisch nutzen , dann macht das lernen auch Spaß.

Ja, da hast du recht, Saturneule! Aber mit der Schule beginnt ein anderes Lernniveau, da beginnt die Anstrengung. Wenn Eltern und Lehrer zusamman arbeiten würden, wäre das sicher auch eine gute Voraussetzung.
Meine Tochter hat sich schon als Kind nach den Ferien auf die Schule gefreut. Zwei Lehrerinnen mochte sie besonders, ich habe sie als streng und liebevoll empfunden.
Wie der Schulbetrieb heute abläuft, ist mir nicht mehr geläufig, insofern kann ich mir kein Urteil erlauben. Vielleicht erfahre ich es bald genauer, da meine Tochter (37 J.) Lehrerin werden möchte. Sie hatte schon ein einwöchiges Ptraktikum und erlebte die Undisziplin in der Klasse. Ich glaube, es ist ein Talent, Schüler für seinen Stoff zu interessieren und den Kindern/Jugendlichen zu zeigen, dass jeder etwas kann und sie durch Erfolgserlebnisse zu motivieren.
LG Helen
Ilona
Meinem Freund fiel auf, dass das erste, was seine Mutter sagte, als sie ihn wiedersah war, was sie an der Uni unter dem Mikroskop beobachtet hat. Vielleicht sollte man die Frage nach dem Erlebten als erste Frage stellen und später die andere.

Helen, vielleicht ist deine Tochter so sehr mit ihrem Studium beschäftigt, dass
für den Jungen nicht genügend Zeit für Zuwendung und Motivation bleibt und er
auf diese Weise ( Unkonzentriertheit) auf sich aufmerksam macht.

Ich erlebe das bei meiner Tochter auch. Sie schreibt an ihrer Diplomarbeit, hat
viele Dinge im Kopf und der Kleine schreit und schreit. Schon Säuglinge spüren genau, ob eine Mutter gestresst ist oder sich ihnen ganz zuwendet.

LG Ilona
santiago
Zitat:
Giselle:
Meine Kinder haben eine super Begabung für Sprachen, doch sie haben sie immer einen Dreck interessiert. Vokabeln lernen war doof, Grammatik sowieso, man quasselte doch auch so sehr nett und alle Klassenarbeiten waren doch mindestens befriedigend, weil die Interpretationen stimmten. Der mangelhafte Fehlerquotient...shit happens!


Lasst mich an diesem guten Beispiel meinen Ansatz darlegen:

1. Begabung für Sprachen
Ich denke – und ich glaube das ist mittlerweile durch die Hirn- und Lernforschung mehr als gut belegt – ALLE Menschen (durch bestimmte Krankheiten oder Hirndefekte gehandicapte Menschen ausgenommen) haben die gleiche Fähigkeit Sprachen zu lernen! Nicht das WAS ist dabei entscheidend, sondern das WIE!

Für uns besteht „Sprachenlernen“ aus mindestens 4 unterschiedlichen Lernfeldern:

Sprache HÖREN
Sprache SPRECHEN
Sprache SCHREIBEN
Sprache LESEN

Sprache Hören und Sprechen sind Fertigkeiten, die wir Menschen über hunderttausende von Jahren Evolution entwickelt und angelegt haben. Es sind Grundbedürfnisse der Kommunikation und damit des Überlebens. Unser Gehirn ist so konzipiert, dass wir uns nur anschauen müssen, wir und WANN Kinder ihre Muttersprache lernen und das mit dem vergleichen, was in der heutigen Schule als "Sprachenlernen" verstanden wird.

Sprache Schreiben und Lesen sind KULTURLEISTUNGEN, die wir seit vielleicht 5.000 – 15.000 Jahren üben (wenn man den Datierungen der Archäologen trauen darf). Hierfür müssen also Lernstrategien entwickelt werden, die uns NICHT in die Wiege gelegt wurden.

Wenn jemand Sprech- oder Hörstörungen hat, so sind das tatsächlich medizinische Befunde. Mediziner bezeichnen das dann mit der Vorsilbe „Dys“, hier also eine Dysfunktion.

Unsere Schule hat dafür gesorgt, dass Schreib- und Leseschwächen ebenfalls als medizinischer Befund gewertet werden: Leseschwäche wird zum Beispiel als „Dyslexie“ bezeichnet und sagt damit, das ist eine Krankheit.
Wenn jemand kein Klavier oder keine Klarinette spielen kann, oder wenn jemand nicht stricken kann sagt man auch nicht er sei krank…Nein! Da ist es jedem klar: Das sind Kulturleistungen, die nicht angeboren sind. Die moderne Hirn- und Lernforschung weiß aber mittlerweile, dass auch SCHREIBEN und LESEN Kulturleistungen sind, die anders gelernt werden, als angeborene Fähigkeiten…..

Es sieht mittlerweile so aus, als ob Schule, wie wir sie kennen, das Sprachenlernen eher be(ver)hindert, als fördert. (Quellen: z.B. Vera F. Birkenbihl – „Trotzdem Lernen“, Diverse Sprachkurse von ihr, mit ihrer – wie sie sie nennt „Gehirn-Gerechten“ Methode. In Bezug auf Schreiben-/Lesenlernen: Dr. Jürgen Reichen – die Reichen-Methode: Lesen durch Schreiben)

2. Lernen ist Arbeit, Arbeit ist bitter und darf keinen Spaß machen (sonst wär’s ja keine Arbeit)
Ihr, die Ihr immer noch an diesen Leitsatz glaubt: Verabschiedet Euch davon. Lernen MIT / DURCH Spaß heißt die Devise. Oder glaubt Ihr wirklich, in unserer Gewinn-orientierten Welt (ein feines Wort für Habsucht regiert unser Leben) würde sonst nur ein Cent für Seminare mit Spaß ausgegeben werden? Nein! Die Firmen geben Jahr für Jahr zig Milliarden für Seminare aus, die – unabhängig vom Thema eins verbindet: SPASS beim Lernen ist der einzige Garant dafür, dass überhaupt etwas gelernt wird!

Aber von unseren Kindern erwarten wir, dass sie gefälligst den Lehrstoff zu fressen haben, nötigenfalls mit Gewalt…. Tsstsstss.

3. Lernen für Zensuren
Interessanterweise bedeutet dasselbe Wort in unserer Sprache: In der Schule die Bewertung von Leistung anhand einer Kennziffer - oder - die Staatliche Kontrolle und Einschränkung der Meinungsäußerung.

Ich behaupte: wer für Zensuren lernt, lernt nicht fürs Leben, er lernt auch nicht ZU leben, sondern nur, sich zu duken…und solche Mitarbeiter werden in der Wirtschaft immer weniger gebraucht. DAS ist ein wichtiger Grund für unsere Arbeitsmisere und das NoGo für viele, viele unserer Jugentlichen, und DAS, liebe Foris, haben NICHT ich wiederhole NICHT die Kinder und Jugendlichen zu verantworten, weil sie zu „faul“ in der Schule waren, das hat unser Schulsystem und ihre Exekutiven ganz allein zu verantworten.

Es geht auch anders. Spätestens seit Pisa wissen wir das.

Lg
santiago
Helen
Da ist was dran! Meine Tochter lernte in der Schule Englsich und Latein. der Lateinlehrer sagte mir bei einem Sprechtag, dass sie nicht sehr sprachbegabt sei, dafür aber ein sonniges Gemüt habe. (Naja, wenigstens etwas)
Sie schaffte das Abi problemlos und was hat sie studiert? U.a. Englisch. Als sie 1 Jahr in Brasielien war, glaubte man ihr nicht, dass sie Portugiesiscvh erst im Land gelernt habe und in Berlin hörte ich sie mit Brasilianern reden, so flüssig, als sei es ihre Muttersprache.
Es ist wirklich schade, dass sich Kinder/Jugendliche oft nicht optimal ihren Fähigkeiten entsprechend entwickeln können, weil diese nicht erkannt werden.
Da sind die Eltern gefragt, nicht nur die Lehrer.
Giselle
Lieber Santiago,
was ich bei dir lese sind immer wieder Krtiken an unserem Schulsystem.
Was ich gerne lesen würde, wäre ganz konkret, wie du einem Kind - sagen wir zwei Sprachen- in deinem idealen Schulsystem beibringen würdest und zwar in Wort und Schrift so einwandfrei, dass sie beruflich einsetzbar sind.
Dann kann ich mir da etwas vorstellen.

Liebe Helen,
es ist natürlich schwierig, von ferne auf den Jungen einzugehen, aber er erscheint mir eher hochbegabt als minderbegabt. Nur die Eltern sind wohl etwas übermotiviert und gehen ihm auf den Nerv, lach!
Ich bin völlig deiner Meinung, das Grundgerüst ist, dass ich das Kind als Persönlichkeit liebe und will, dass es lacht und Spass hat und glücklich ist. Ich liebe das Kind, nicht das Wissen des Kindes und das muss ein Kind auch spüren.
Es gibt "Entwicklungspsychologen" , dem würde ich das Kind vorstellen. Hab ich damals auch gemacht, als mein Sohn mir (mit 12) klar zu machen versuchte, er sei doof. Der spielt mit dem Kind ein bisschen und dann kann er die Mutter mit Sicherheit beruhigen. (Mein Sohn hatte einfach keinen Bock auf französisch).
Diese Leute haben auch gute Tipps, es gibt sogar Computerspiele, die die Konzentration fördern. Meine Kinder haben ganz gern Schach gespielt. Für meinen Sohn war die Reiterei hilfreich, wenn er träumte, blieb der Gaul stehen, lach, das war manchmal ziemlich spaßig!
Viel Glück!
Giselle
Giselle
Ah, noch ein Nachsatz:
Die Lateinnote korreliert meist NICHT mit der Sprachnote, sondern mit Mathe!
Also daraus auf wenig Sprachbegabung zu schließen ist nach meiner Erfahrung Blödsinn!
Giselle
Strolch
Mathe war für mich ein Greuel, Englisch, Deutsch und Französisch dagegen eine Freude.Im Laufe der Jahre kam noch Spanisch dazu.Über latein möchte ich mich weiter nicht auslassen, ich denke mein armer Lateinprof. würde sich noch heute im Grabe rumdrehen, wenn er meinen Namen hört.
Liebe Grüsse
von
Marianne
santiago
Liebe Giselle,
die Antwort auf Deine Frage steht (so hoffte ich) bereits in meinem Text:

Zitat:
Es sieht mittlerweile so aus, als ob Schule, wie wir sie kennen, das Sprachenlernen eher be(ver)hindert, als fördert. (Quellen: z.B. Vera F. Birkenbihl – „Trotzdem Lernen“, Diverse Sprachkurse von ihr, mit ihrer – wie sie sie nennt „Gehirn-Gerechten“ Methode.


….Das muss meiner Erfahrung nach Schule anders machen, um den Kindern Sprache zu vermitteln.

Diese Methoden sind erprobt. Ich hänge Dir – und allen anderen – mal ein PDF an über die Hintergründe und Methode von Frau Birkenbihl in Bezug auf das Sprachenlernen. So weit ich weiß gibt es in der Schweiz schon Schulen, die nach ihrer Methode und sehr erfolgreich den Sprachunterricht gestalten. Näheres findest Du auf Ihrer HP. Dies ist keine Werbung für sie! Vielleicht gibt es noch effizientere Methoden um Fremdsprachen zu lernen… ich würde mich über jeden Hinweis freuen!

Ich verstehe nur zu gut, dass es nicht einfach ist, mir Dinge vorzustellen, die ich aus meiner Erfahrung heraus nicht kenne. Das geht mir ja nicht allein so. Eine weitere Frage ist: Aus welcher Perspektive, von welchem Ausgangspunkt her gehe ich auf das Thema zu?

Hab ich es mein Leben lang anders gemacht und fürchte, mein ganzes Leben wird in Frage gestellt, wenn ich mich nun auf dieses „geht es auch anders?“ einlasse?

Oder bin ich auf der Suche nach besseren Wegen?

Ich, zum Beispiel, beschäftige mich beruflich viel mit Weiterbildung von Erwachsenen. Das tue ich betriebsintern, zT. Europaweit. Immer wieder taucht die Frage des „knowledgetransfer“ auf. Wie kann ich Wissen von Person A auf Person B übertragen? Tatsächlich geht das gar nicht, wie wir uns das frührer vielleicht vorgestellt haben. „Wissen“ zu einem Thema kann ich er-leben, er-spielen, be-nutzen, ich kann es mir nicht eintrichtern lassen (bis die Festplatte explodiert). So funktioniert das menschliche Hirn nicht. Heute geht man davon aus, dass jemand im Arbeitsleben, der eine neue Tätigkeit übernimmt, 10% durch Seminare (als Wissensvermittlung), 20% von Kollegen und 70% „on the job“, einfach durch Machen, erlernt. Das gilt auch weitestgehend für Sprachen.

Außerdem habe ich zuhause einen kleinen, zweisprachigen, frühreifen Vierjährigen, bei dem ich mir jetzt schon Gedanken über seine Bildung und damit über „Schule“ machen muss. Ein befreundeter Lehrer fragte uns: „Mein Gott, was wollt ihr nur mit ihm machen, wenn er in die Schule muss?“ das hat mich ein wenig erschreckt, zumal Kindergärtnerinnen sich ähnlich äußern. Gehört er zu den „Hochbegabten“, wie das neue Mode-Zauberwort heißt? Ich glaube nicht. Zweisprachig ist er, weil seine Mutter Deutsch-Französin ist und von seiner ersten Lebenssekunde an viel Französisch mit ihm gesprochen hat. Und vielleicht gehen wir auf seine Lebenserkundungen anders ein, als andere Eltern, ich weiß es nicht. Ich kann und will auch nicht beurteilen, ob wir es besser machen als andere Eltern. Ich glaube aber, wir haben uns bestmöglich auf ihn und seine (wechselnden !!!) Interessen, Forder- und Förderbedürfnisse, sowie seine unterschiedlichen Lerngeschwindigkeiten eingestellt. Mit 2 ½ sagte er: „ Mama, ich kann schon lesen; du musst mir nur noch ein wenig dabei helfen.“ Also machten wir uns auf die Suche nach Antworten auf unsere Fragen: Sollen 2-3jährige schon lesen / schreiben lernen, wenn ja wie? Wir fanden eine Methode bei einem amerikanischen Neurochirugen, der mit seinem Team von interdisziplinären Kollegen schon in den 60er Jahren der Frage nachging, wie man schwersthirngeschädigten Kindern dennoch ein möglichst normales Leben ermöglichen kann. Unser Kurzer liest jetzt etwa ein Duzend Wörter. Immer, wenn er Lust hat sagt er das, und dann geht’s weiter. Das kann mal 30 Sekunden dauern (immer als NEBENSACHE zu seinem Spielen!) mal 3 Minuten, selten länger am Stück. ER selbst bestimmt das Tempo und die Intensität.

DAS fordere ich auch von Schule. Das fordere ich nicht allein, sondern viele andere Eltern, Lehrer und Fachleute aus dem Bereich Lernen und Hirnforschung.

Ich spreche 4 Sprachen mehr oder weniger fließend:

Deutsch – meine Muttersprache
English – weil ich eine amerikanische Freundin hatte, die kein Wort Deutsch sprach. In der Schule hatte ich ne 5. Ich arbeite heute für einen Amerikanischen Konzern, in dem die Konversationssprache English ist. Manchmal halte ich Seminare oder Präsentationen in English, zT sehr fachspezifisch.
Türkisch – weil ich drei Jahre lang in der Türkei gelebt und gearbeitet habe.
Französisch – weil ich nun familiäre Beziehungen dahin pflege. In der Schule hatte ich ne 6. Dank Birkenbihl (NICHT dank meiner Frau!! Ganz wichtig! Die hat mich ständig verbessert, so lange, bis ich keine Lust mehr hatte) kann ich mich jetzt (nach knapp 2 Jahren) schon recht gut verständigen, einkaufen oder mit dem Französischen Teil unserer Familie ein wenig small talk betreiben.

Obwohl ich English- und Französischunterricht hatte, habe ich in der Schule leider keine Fremdsprache gelernt. Und – eigenartig – die meisten, die ich in meinem internationalen beruflichen und privaten Umfeld kennen gelernt habe, bestätigen mir das gleiche für sich: Zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten, nur nicht in der Schule haben sie ihre Fremdsprachen gelernt…. Ich scheine ja nicht so ganz allein auf der Welt zu sein…

@Helen
Hier passt das, was Du über Deine Tochter und Portugiesisch/Brasilianisch geschrieben hast wunderbar hinein:

Gerade WEIL sie im Land selbst gelernt hat, hat sie’s gelernt!

Um Dir vielleicht einen Überblick zu verschaffen, liebe Giselle, was sich auf dem Gebiet der Schule in Deutschland bereits tut, ist dies eine gute Adresse:

http://www.reinhardkahl.de/

Mehr konkret kann ich hier nicht werden, liebe Giselle. Ich will Dein Leben nicht in Frage stellen, nur weil Du andere Erfahrungen mit Schule gemacht hast. Es sind auch nicht die Lehrer, an denen eine gute Bildung scheitert: Es ist der politische Unterbau der deutschen Schule. Das Lernen für Zensuren. Der dreigliedrige Aufbau. Der Hang zur Selektion. Der übergroße Verwaltungsdruck auf Lehrer und Schüler. Das knappe Geld.

Wir leben in einer hochbeschleunigten Welt. Heute (und morgen noch viel mehr) findet nur noch einen Job, wer gelernt hat zu lernen und wer Spaß am Lernen hat. Nur solche Menschen können die Probleme der Zukunft angehen. Das muss Schule vermitteln: Wie stelle ich mich einer völlig neuen Situation? Plötzlich weiß ich: alles, was ich vorher dachte zu wissen, gilt nicht mehr – watt nu?

Ich möchte, dass mein Jüngster dabei ist.

Lg
santiago
santiago
Nachtrag:

Noch eine Stimme zu Lernmethoden:

http://www.lernen-heute.de/download/eboo...iken_schule.pdf

lg
santiago
Helen
Ich bewundere Menschen, die mehrere Sprachen können!
Danke für die interessanten Beiträge und deine Einschätzung, Giselle.
LG Helen
santiago
Helen, Leute, die mehr als eine Sprache sprechen gehen genauso und aus dem selben Grund zum Klo, wie alle anderen auch...

es ist ganz nett... wen du's (ge)brauchst. Wenn nicht, dann vergisst Du's wieder. Unser Gehirn ist schon ein tolles Organ... Nur was gebraucht wird, wird gespeichert. Was nicht gebraucht wird, verkümmert. Erst, wenns wieder benötigt wird, wirds reaktiviert. das "Neulernen" geht dann wesentlich flotter... Aber das gilt für alles, was man lernen kann, nicht nur Sprachen.

lg
santiago
Helen
Santiago, das ist falsche Bescheidenheit. Klar entledigen wir uns alle auf die gleiche Art unserer Exkr... Augenzwinkern , darüber hinaus unterscheiden sich die Menschen aber in ihrem Können, Wissen... je nach ihrer ererbten und geförderten Begabung. Da gibt es eine ganze Menge Eigenschaften und Besonderheiten, die von andern, die diese Eigenschaften nicht besitzen, bewundert/beneidet werden. Schließlich bieten sie eine Menge Vorteile.
LG helen